Am Ende der Kräfte: das Erschöpfungssyndrom

28. January 2014, von Dr. med. Thomas Wetzel

10 – 25% der Patienten beim Hausarzt geben an, unter allgemeiner Erschöpfung zu leiden. Viele Grunderkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder bösartige Erkrankungen kommen als Ursache in Frage. Eine gründliche Abklärung ist notwendig. Häufig lässt sich jedoch keine Ursache ermitteln. Das ist einerseits erst einmal beruhigend, lässt die Betroffenen aber andererseits in einem Gefühl von Ratlosigkeit zurück.

Wie sind die Symptome

Die betroffenen Menschen klagen über eine große Abgeschlagenheit, die sich durch Ruhe kaum oder gar nicht bessert. Die körperliche Leistungsfähigkeit verschlechtert sich und auch das Konzentrationsvermögen und das Merkvermögen nehmen ab. Von ihrer Umgebung werden die Betroffenen als ständig müde, schlecht gelaunt oder sogar reizbar erlebt. Es stellt sich ein Gefühl von Überforderung und Ausweglosigkeit ein. Innere Unruhe, Grübeln, Schlafstörungen und Ängste sind häufige Begleiterscheinungen. Auch vielerlei körperliche Symptome wie z.B. Verdauungsbeschwerden, Schwindel oder Schmerzen in verschiedenen Körperregionen können auftreten. Eine Gewichtszunahme ist ebenfalls nicht selten und belastet zusätzlich.

Was sind die Ursachen

Die seelischen Belastungen liegen meist im Arbeitsumfeld oder im persönlichen Bereich. Im schlechteren Fall ist es eine Kombination aus beidem. Hohe Arbeitsbelastung, Fremdbestimmung, schlechtes Arbeitsklima und mangelnde Wertschätzung können einen anhaltenden Druck verursachen, der die Menschen auslaugt. Im persönlichen Umfeld sind es oft Probleme in der Partnerschaft, Sorgen um die Kinder, Einsamkeit oder finanzielle Probleme.

Welche Behandlungsansätze gibt es

Zunächst muss immer eine Grunderkrankung ausgeschlossen werden. Ist dies erfolgt, wird es schwierig. Häufig werden Psychopharmaka vorgeschlagen. Sie sollen zur Stimmungsaufhellung, besserem Schlaf, Beruhigung oder Angstlösung dienen. Ihr Einsatz soll sorgsam abgewogen werden.

Die Sichtweise der chinesischen Medizin

Erschöpfungs- und Überlastungszustände mögen heute häufiger auftreten als früher. Aber es gab sie zu allen Zeiten. Chinesische und westliche Medizin sind sich darin einig, dass emotionale Belastungen verantwortlich sind. Die chinesische Medizin hat dies schon lange beschrieben, bevor es unsere Psychologie gab. Entsprechend hat sie klare Konzepte für die Therapie entwickelt.

Was passiert aus Sicht der chinesischen Medizin

Im Grunde sind es zwei Dinge, die aus dem Ruder laufen. Erstens entsteht im Körper ein so genanntes Mangelsyndrom. Bildlich gesprochen: „die Akkus sind leer“, die Energie ist weg. Zweitens besteht neben dem Energiemangel auch eine Störung des Energieflusses. Dies führt zu psychischen Symptomen wie innerer Unruhe, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen. Die Erholung aus eigener Kraft wird dadurch immer schwieriger.

Die Behandlungsstrategie

Therapeutisch wird ein zweifacher Ansatz gewählt. Der Mangel wird, je nachdem welche Organsysteme betroffen sind, mit den entsprechenden Heilkräutern behandelt. Die „leeren Akkus“ werden wieder aufgeladen. In dem Maße, wie das gelingt, wird die Leistungsfähigkeit wieder zunehmen. Die Verbesserung des Energieflusses ist Thema der Akupunktur. Ziel ist dabei einerseits die Linderung von körperlichen Beschwerden und andererseits ein höheres Maß an Gelassenheit, innerer Ruhe und die Stimmungsaufhellung. Natürlich lassen sich belastende Lebensumstände nur selten kurzfristig verändern. Aber Gelassenheit und innere Ruhe tragen dazu bei, dass man besser damit zurechtkommt und auch wieder Erholungsphasen erreicht.

Das Behandlungsziel

Mit der Kombination dieser Methoden werden sowohl die körperlichen als auch seelischen Beschwerden behandelt. Schlussendlich geht es um eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität.

Wie läuft eine Behandlung praktisch ab

Analysiert man die Erschöpfung aus Sicht der chinesischen Medizin, dann kommt eine ganze Reihe unterschiedlicher Störungen als Ursache in Betracht. Im Rahmen eines Erstgespräches wird die Ursache ermittelt und eine chinesische Diagnose erstellt. Daraus leitet sich die Behandlungsstrategie mit Nadeln und Heilkräutern ab. Die Apotheke stellt auf Rezept eine individuelle Heilkräutermischung als Pulver her. Man nimmt es zu Hause in Wasser aufgelöst ein. Parallel werden regelmäßige Akupunkturbehandlungen durchgeführt. Wird außerdem eine Gewichtsreduktion angestrebt, kann zusätzlich ein spezielles Verfahren der Bauchakupunktur erfolgen, wie es in China zum Abnehmen angewendet wird. Eine Ernährungsberatung gehört dann ebenfalls dazu. Je nach Verfassung und Zielsetzung kann die Behandlung mehrere Wochen oder auch Monate umfassen.

Kategorie: Allgemeines

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