Wenn der Arzt nichts finden kann - Diagnose: „funktionelle Störung“

01. February 2014, von Dr. med. Thomas Wetzel

Unter funktionellen Störungen versteht man Beschwerden, für die keine organische Ursache nachgewiesen werden kann. Mitunter wird auch der Begriff „somatoforme Störung“ verwendet. Patienten mit funktionellen Störungen sind in der Praxis des Allgemeinarztes und Internisten sehr häufig. Man geht davon aus, dass 25-40% der Patienten in diese Kategorie fallen. Begriffe wie „endogen“, „essentiell“ oder „idiopathisch“ in der Diagnose beschreiben ebenfalls Beschwerdebilder, bei denen keine organische Ursache festgestellt werden kann.

Welche Arten von funktionellen Störungen gibt es?

Diese Störungen sind außerordentlich vielfältig. Manchmal sind sie allgemeiner Natur, wie generelles Unwohlsein, Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Muskelverspannungen. Sie können aber auch in fast jedem medizinischen Fachgebiet auftreten. Nachfolgend sind nur einige Beispiele angeführt.

Kardiologie: Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, Druck- und Engegefühl
HNO: Ohrensausen, Ohrendruck, Kloßgefühl, Schluckstörungen
Gastroenterologie: Aufstoßen, Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Brechreiz, Krämpfe, Durchfall, Verstopfung
Neurologie: Kopfschmerz, Schwindel, Missempfindungen wie Taubheit und Kribbeln
Urologie: Reizblase, Prostatabeschwerden, Potenzstörungen
Gynäkologie: Menstruationsbeschwerden, sexuelle Unlust

Was sind die Ursachen?

Man geht davon aus, dass körperliche und seelische Belastungen und Überforderungen eine wichtige Rolle spielen, insbesondere wenn sie mit Konflikten einhergehen. Auch vorausgegangene schwere Erkrankungen kommen als Ursache in Betracht.
Sehr ehrgeizige und leistungsbetonte Menschen scheinen häufiger betroffen. Ebenso solche Menschen, die zu ängstlicher Körperbeobachtung neigen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei den funktionellen oder somatoformen Störungen handelt es sich um eine so genannte Ausschlussdiagnose. Das heißt, man macht all die Untersuchungen, die entsprechend dem Beschwerdebild durchgeführt werden sollen. Ergeben sie keinen Befund, dann wird die Diagnose „funktionelle Beschwerden“ gestellt.

Und dann?

Wenn keine körperliche Ursache gefunden wird, sind die Gefühle bei den Patienten zwiespältig: zunächst Erleichterung, danach Ratlosigkeit. Da die Ursache der Erkrankung unklar bleibt, gestaltet sich die schulmedizinische Behandlung schwierig. Es gibt keinen klaren Ansatz. Für das ausführliche Gespräch über mögliche Ursachen fehlt häufig die Zeit.

Funktionelle Beschwerden aus Sicht der chinesischen Medizin

Aus Sicht der chinesischen Medizin spielt es eine untergeordnete Rolle, ob ein Befund über organische Ursachen vorliegt. Die Diagnostik und die Therapie orientieren sich nicht nur an Befunden, sondern in erster Linie am Befinden der Patienten.

Ihre Ärztin/Arzt wird Sie deshalb sehr genau und ausführlich befragen. Es ist wichtig herauszufinden, wie die Beschwerden sich anfühlen, wann sie auftreten, wodurch sie sich verschlimmern oder verbessern. Aus Sicht der chinesischen Medizin sind die so genannten „emotionalen Faktoren“ eine wichtige Ursache für Störungen und Erkrankungen. Damit meint man Emotionen wie beispielsweise Sorge, Grübeln, Trauer, Angst und Stress. Es ist recht genau beschrieben, welche Art von emotionaler Belastung vorzugsweise welche Körperfunktionen schädigt.
Nachdem die chinesische Diagnose gestellt wurde, werden die entsprechenden Organstörungen behandelt. In vielen Fällen empfiehlt sich eine kombinierte Therapie. Sie besteht aus der Einnahme von Heilkräutern und regelmäßiger Akupunktur. Natürlich können Probleme im persönlichen Umfeld mit solch einer Behandlung nicht beseitigt werden. Aber sie kann einen Beitrag dazu leisten, dass man mit den Problemen gelassener umgehen kann.

Kategorie: Allgemeines

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