Schlafstörungen

03. February 2014, von Dr. med. Thomas Wetzel

Sich müde ins Bett legen, zügig einschlafen, durchschlafen und erholt aufwachen: davon können viele Menschen nur träumen. Geschätzte 10–30% der Menschen hierzulande leiden unter Schlafstörungen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Was ist das normale Schlafbedürfnis

20 Stunden schläft ein Säugling über den Tag verteilt, 10-12 Stunden sind es bei Kindern. Erwachsene schlafen meist 7-8 Stunden. Im Alter kann das Schlafbedürfnis auf 5-6 Stunden sinken.

Warum ist Schlaf so wichtig

Gesunder Schlaf ist durch Grundphasen gekennzeichnet, die sich mehrfach abwechseln. Traumphasen machen etwa 20% der Schlafenszeit aus, gefolgt von Leicht- und Tiefschlafphasen. Alle sind wichtig für die Erholungsfunktion. Blutdruck, Muskelspannung und Stoffwechselvorgänge werden zeitweise heruntergefahren, aber auch angekurbelt. Gestresste Nervenzellen können regenerieren, am Tage Erlebtes und Gelerntes wird sortiert und im Gedächtnis verankert. Selbst der altbekannte „Schönheitsschlaf“ erscheint biologisch begründet, weil im Schlaf Zellschäden repariert werden. Und jeder weiß: ausgeschlafen sieht man besser aus und hat eine stärkere Ausstrahlung.

Was sind die Ursachen von Schlafstörungen

Äußere Einflüsse wie Lärm oder ungeeignete Matratzen oder Kissen sind im wahrsten Sinn des Wortes nahe liegend. Von der Schichtarbeit weiß man, dass der Tag-Nacht Rhythmus empfindlich gestört wird. Viele Grunderkrankungen kommen als Ursache von schlechtem Schlaf in Frage. Man denke nur an Schmerzen, eine verstopfte Nase oder Luftnot bei Asthma. Herzerkrankungen oder eine Prostatavergrößerung können zu nächtlichen Toilettenbesuchen zwingen. Nebenwirkungen von Medikamenten und Genussmittel wie Koffein oder Alkohol kommen ebenso in Betracht. Häufig sind es aber schlicht seelische Belastungen, die den Schlaf rauben: Stress und Druck am Arbeitsplatz oder in der Beziehung, persönliche Enttäuschungen, Sorgen um die Kinder, finanzielle Nöte, Trauerfälle, depressive Stimmungslagen, Ängste und vieles mehr.

Was ist die Sichtweise der chinesischen Medizin

In der chinesischen Medizin spielen bei der Entstehung von Krankheiten die so genannten „emotionalen Faktoren“ eine herausragende Rolle. Man versteht darunter Emotionen wie Sorge, Grübeln, Zorn, Frustration, Trauer, Angst oder Stress. Diese Emotionen gehören zu jedem normalen Leben. Sind die emotionalen Belastungen aber sehr stark und wirken vielleicht auch noch über lange Zeit auf einen Menschen ein, dann können sie aus Sicht der chinesischen Medizin Beschwerden und Krankheiten auslösen. Deshalb werden sie stets sehr sorgfältig analysiert. Emotionale Faktoren sind recht häufig die Ursache für eine Schlafstörung. Besteht sie über längere Zeit, dann treten Folgeerscheinungen auf wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Erschöpfung und Leistungsabfall im Beruf und Privaten, Niedergeschlagenheit, Vernachlässigung sozialer Kontakte und mangelndes Selbstwertgefühl. Selbst Bluthochdruck, erhöhte Muskelspannung und Gewichtszunahme können die Folge sein.

Wie wird eine chinesische Diagnose erstellt

Die Schlafstörung als solche ist in der chinesischen Medizin keine Diagnose. Sie ist ein Symptom. In einem Erstgespräch werden sehr genau die Art und die Umstände der Störung erfasst. Besonderes Augenmerk gilt den emotionalen Belastungen. Je nach Art der emotionalen Belastung und den begleitenden Symptomen können ganz unterschiedliche Diagnosen gestellt werden. Die Diagnose beschreibt dann sozusagen, was aufgrund der emotionalen Belastungen im Körper in Unordnung geraten ist.

Die Behandlungsstrategie der chinesischen Medizin

Sie wird von der Diagnose vorgegeben. In vielen Fällen kommt eine Kombination aus Akupunktur und chinesischen Heilkräutern zum Einsatz. Ziel ist es, die Fähigkeit zur Entspannung wird wieder herzustellen und den Tag-Nacht Rhythmus zu harmonisieren. In dem Maß wie das gelingt, wird der Schlaf besser, die Leistungsfähigkeit nimmt zu und Medikamente mit ihren unerwünschten Nebenwirkungen können weggelassen werden. Noch eine wichtige Anmerkung aus dem Praxisalltag: belastende Faktoren sind oftmals nicht kurzfristig zu ändern. Dann geht es darum, einen besseren Umgang mit den Belastungen zu finden und wieder ein gewisses Maß an Gelassenheit zu erreichen. Auch das ist Bestandteil der Therapie und der begleitenden Gespräche. Das wird dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und ein erneutes Auftreten der Problematik zu verhindern.

Wie läuft eine Behandlung praktisch ab

Am Anfang steht immer das Erstgespräch zur Erstellung der chinesischen Diagnose. Wenn eine Kombination aus Heilkräutern und Akupunktur zum Einsatz kommt, dann stellt die Apotheke eine individuelle Heilkräutermischung als Pulver her. Man nimmt es zuhause in Wasser aufgelöst ein. Parallel werden regelmäßige Akupunkturbehandlungen durchgeführt. Abhängig vom Zustand, der Diagnose und den Begleitumständen kann die Behandlung mehrere Wochen und in schwierigen Situationen auch Monate umfassen.

Kategorie: Allgemeines

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